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Als ich geboren wurde, hatte ich eine große Schwester.
Sie war 1 1/2 Jahre alt.
Als ich 1 1/2 Jahre alt wurde, bekam ich eine kleine Schwester.
Dann noch eine und noch zwei und einen kleinen Bruder.
Heute noch ist diese Sieben-Kinder-Familie sehr wichtig für mich.
Unser Vater war Ingenieur - als er in Rente ging, wurde er Historiker.
Unsere Mutter hatte viel zu tun mit uns. Später lernte sie Hebräisch und noch später unterrichtete sie Hebräisch.
Ich habe meine Eltern sehr bewundert.
Wir wohnten in Paris,
neben dem Luxembourg Garten.
Als Kind machte es mir Spaß, Bilder von Blumen, Tieren oder Portraits zu zeichnen.
In der Schule war ich sehr gut in Kunst.
Ich habe damals geträumt, Künstler zu werden?
Erstmal das Abitur schaffen. Was nachher?
Die Medizin schien interessant. Ärzte sind oft auch Künstler.
1953
war ich tatsächlich im 6. Semester an der Uni,
als ich meine erste Ausstellung gemacht habe:
große Aquarelle á la Raoul Dufy in einer Galerie Rue de Seine in Paris.
Ein Erfolg - ich bin 22.
Es folgten viele Ausstellungen in der Rue de Seine und viele Semester an der Uni.
Bis zum Ende.
Meine Dissertation hieß "Die Pathologie bei Peter Breughel dem Älteren".
Eine Mischung zwischen Kunst und Medizin, wofür ich "summa cum laude" bekam. Ein interessantes Thema für die Presse:
Le Monde, Time Magazin, Der Spiegel u.a. berichteten darüber.
1958
Ich muss zum Militär.
Frankreich führt in Algerien den letzten Kolonialkrieg.
Zwei Jahre lang werde ich als Notfallarzt dienen. Zuerst in den Djebels bei den Alpinjägern und dann in der Wüste Sahara.
Zum Glück komme ich davon - ohne Schaden.
Nur enttäuscht, dass ich so manipuliert wurde, und enttäuscht über mich selbst,
dass ich nicht verstanden habe, wie sinnlos dieser Krieg war.

1961
Die Oberleutnantuniform lasse ich gern hängen. Ich habe Geld verdient und gespart. Wohin nun damit?
Ich entscheide: Schluss mit der Medizin. Ich versuche es mit der Kunst. Wohin? Weit von Paris, nach Florenz für ein neues Leben - ich bin 29.


Florenz: Dom, Campanile, Palazzo vecchio, die Hügel der Toscana;
1964. Kupferstich 4 farbig.
Blick aus meinem Fenster
Das neue Leben fängt bescheiden an.
Ich bin wieder Student. Accademia delle belle Arti.
Kleine Bude in der Altstadt, Mensa, Fahrrad.
Aber ich bin fleißig. Entdecke die Ölmalerei, die Lithographie und Radierkunst.
Probiere die abstrakte Kunst.
Mache meine ersten Kupferstiche.

Florenz ist schön. Viele ausländische Studenten leben hier so wie ich.
Ich lerne Deutsche kennen. Zum ersten Mal seit dem Krieg.
Besonders einer - ein Berliner - wird mein Freund. Er lädt mich nach Berlin ein. Ja!


Judith et Holopherne, eine Geschichte aus der Bibel.
Mit 30 Kupferstichen illustriert
Winter 1965/66
Ich bin in Berlin;
eine ganz andere Stadt, anderes Klima, andere Leute, eine Fremdsprache, anderes Essen.
Ich probiere das Bier - der erste Schluck schmeckt so gut!
Stadtbesichtigung: Am Steinplatz liegt die Hochschule der Künste.
Wie sieht es drinnen aus? Und sofort gefällt mir die Stimmung hier. Hier möchte ich etwas tun.
Ich melde mich an. Ich bin 34. Ein altes Semester. Es ist egal.
Bis 1972 werde ich an der HdK bleiben. Sechs fruchtbare Jahre.
Ich sammle Erfahrungen in allen Werkstätten.
Malerei natürlich, Aktzeichnen, Kupferstichtechnik, Lithographie, Siebdruck (wenig), Typographie, Buchbinderei, Keramik, Metalltreiben, Email.
Ich verkaufe meine Bilder.
Ich spreche Deutsch.
Ich bin aktiv an der Hochschule.
1968 kommt die Studentenbewegung. Ich bin Studentendelegierter im Astabüro. Tja ...
Jardin fragile - Wald aus gebranntem Ton; 1971
1972-73
Versuch, wieder in Paris zu leben. Es geht nicht. Nach Berlin zurück.

1974
In Berlin heirate ich eine Berlinerin. Wir haben drei Kinder. Dann haben wir uns getrennt.
Heute - 35 Jahre danach - Was machen meine Kinder?
Das erste sucht noch seinen Weg. Das zweite ist Mathematiker. Das dritte ist Psychologin.
Ich habe Glück mit diesen drei.
Ich bin ein alter Vater, aber die Kommunikation bleibt unter uns sehr gut.
Sie sind große Bewunderer meiner Kunst.


Holzrelief, Selbstportrait
Beruflich:
Erst mit meinen Kupferstichen kann ich mich einigermaßen durchsetzen.
Nach mehreren Jahren intensiver Arbeit mit dem Stichel erreiche ich 1979 eine gewisse Qualität.
Kunstsammler und Galeristen fangen an, sich für meine Arbeit zu interessieren.
Für mich fängt eine Periode an, die ich "die goldenen Jahre" nenne. Ich bin 48.
Bis Ende 1983 habe ich etwa 400 Metallplatten gestochen: Portraits, Akte, Tiere, Blumen, Stadtansichten, Fantasiebilder und so weiter.
Um meine Kupferstiche abzusetzen, nutze ich drei Möglichkeiten: Privatkunden - Ausstellungen in Galerien - Verkauf von Editionen an Grafikverleger.
Ich habe Glück: ich verdiene viel Geld; ich spare kräftig für die Zukunft.

Gesicht aus Holz
1984
fängt die Zukunft an.
Das heißt, ich möchte für mich arbeiten, ohne Rücksicht auf potentielle Kundschaft.
Das heißt, ich will mit Holz arbeiten nach meiner Art.
Es entstehen kleine und große Plastiken:
Gesichter, Köpfe, Torsi, Tiere, eine Brille, verschiedene Schuhpaare, ein Fahrrad
(das letzte wird später das populärste Kunstwerk was ich gemacht habe).
Es sind Stehplastiken oder Reliefs an die Wand zu hängen. Alles schwer zu verkaufen, aber es ist mir egal.
Dann komme ich aufs Papier zurück. Anders als früher. Ich bearbeite die Metallplatten mit Rundstichel, Fräser, Bohrer, Säge. Ich experimentiere.
Auch da finden meine neuen Grafiken wenig Interessenten. Naja ...

Portrait, Marie-Luce T.
1972 (die Klammern 2008)
Diese schöpferische Periode - etwa 20 Jahre - endet mit zwei Ausstellungen:
2000 im Schloss Rheinsberg und 2001 im Kunstamt Berlin-Wilmersdorf anlässlich meines 70. Geburtstages.
Beide sind erfolgreich, aber die Austellung in Berlin schließt meine Zeit in dieser Stadt ab.
Dagegen öffnet die Ausstellung in Rheinsberg unerwartete Perspektiven.
Warum in Rheinsberg?
Warum diese Kleinstadt mit Schloß, Park, See, 1 1/2 Stunde Fahrt nordwestlich von Berlin?
Gerade da kauft meine 2.Frau
1996
ein kleines Wochenendhaus.
Wir pendeln zwischen Großstadt und Land.
Immer mehr Land. Immer weniger Großstadt.
2000
Die Ausstellung in Rheinsberg ist Anlaß einen Katalog zu
veröffentlichen "Überblick". 48 Seiten, 90 Abbildungen von Hand kommentiert.

2003
Wir verlassen Berlin und ziehen in unser Haus in Rheinsberg. Da habe ich ein Atelier und Ausstellungsräume. Wohnung im Obergeschoß.

2005
14. Mai Feierliche Eröffnung des Atelier.

2005
November. verstarb meine 2. Frau.


Fahrrad,
Kirschbaumholz aus der Champagne
2006
In Rheinsberg...
Ich fange an, an einem Buch über meine Holzplastiken zu arbeiten.
Der Fotograf Uwe Frenzel gibt mir den Anstoß dazu.
2007
Ich möchte einen Skulpturengarten draußen direkt am See aufbauen.
Das Thema "Odysseus landet am Bollwerk Rheinsberg".
Das erste Stück ist die Hand des Zyklopen mit dem Stein.
Ich baue ein Segelboot für Odysseus: 5m lang, 6m hoch - ein Stamm Eiche 50-60cm Ø.
2008
Drei Nixen werden Odysseus verführen wollen.
Die 1. ist am Bollwerk neben der Hand aufgestellt.
Die 2. ist fertig - sie liegt noch in der Werkstatt.
Die 3. ist in Vorbereitung.

Nach 2 Jahren Mühe wird das Buch endlich veröffentlicht.
"Bildhauer in Rheinsberg" - 160 Seiten - 270 Fotos von Uwe Frenzel.
Kommentare von Hand geschrieben. Ich lasse 1000 Exemplare drucken.
 

 





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